Das große Kind mit (fast) 4 1/2 Jahren…

Lieber Bigfoot,

so richtig traue ich mich gar nicht mehr, dich hier als „Schnuffelbär“ anzusprechen, auch wenn du das noch immer oft und gerne bist. Du springst mir nach dem Kindergarten in den Arm, läufst noch immer sehr gerne an meiner Hand und kuschelst morgens noch bei mir im Bett. Aber du bist groß geworden, so unglaublich groß. 4 ½ Jahre bist du bald alt, im Sommer wirst du 5 und dann bist du schon ratzfatz ein Vorschulkind. In den letzten Wochen hast du so viele Fortschritte gemacht. Deine Gedanken werden zunehmend komplexer. Du saugst das Wissen aus deiner Umwelt, aus Sachbüchern, Hörspielen und deinen geliebten Sachgeschichten aus der „Sendung mit der Maus“ auf, wie ein Schwamm. Du stellst uns kritische Fragen und bist unwahrscheinlich aufmerksam. Dir entgeht wirklich nichts, nicht im Kindergarten und nicht daheim.

Tendenziell bist du nach wie vor ein sehr regelkonformes Kind und stellst Regeln auch selten in Frage. Aber du kannst immer besser damit umgehen, wenn andere Kinder eben nicht so ticken, wie du selbst. Und damit fallen dir auch Spiele und der Umgang mit anderen Kindern immer leichter. Es ärgert dich immer noch sehr, wenn dir etwas nicht perfekt gelingt (du beispielsweise beim Anmalen etwas rot malen wolltest, und dann aus Versehen den grünen Stift genommen hast), aber ich beobachte, dass es dich nicht mehr jedes Mal in tiefe Verzweiflung stürzt und du anfängst zu weinen. Das ist toll! Und auch mutiger bist du geworden. Oft ist zwar dein erster Reflex noch immer „nein“, wenn es darum geht, etwas Neues zu probieren, aber oftmals siegt deine Neugierde dann. Anfang Januar hast du dich sogar getraut, mit Onkel S. eine Runde Roller zu fahren. Und dann bist du danach richtig stolz.

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Richtig glücklich bist du, wenn du zuhause an deinem neuen Tisch Lego bauen darfst. Wobei du auch nach wie vor sehr gerne mit den Duplo Steinen baust oder den Kaplas oder dem Holzbaukasten… Hauptsache bauen. Puzzeln, Spiele machen, basteln und malen sind ab und zu auch interessant, aber nicht deine größte Leidenschaft. Vorlesen magst du gerne, das kommt zuhause leider viel zu kurz, da deine Schwester das oft torpediert. Du bist oft ein toller großer Bruder, machst Quatsch mit dem Hasenmädchen, schaust mit ihr Bücher an oder hilfst ihr beim Puzzeln. Und oft bist du verständlicherweise auch sehr genervt. Wenn sie dir deine Legomännchen klaut oder jegliche Vorleseaktion stört und dabei auf meinen Schoß klettert.

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Umso mehr, versuche ich dir auch exklusive Zeit zu geben. Eines unserer liebsten kleinen Rituale am Wochenende ist das gemeinsame „Espresso“ trinken, wenn die Kleine mittags schläft. Du hilfst mir mit der Kaffeemaschine und dann setzten wir uns ein paar Minuten zusammen hin und essen ein „Schoklädle“ zum Kaffee (den natürlich nur ich trinke!). Dann seufzt du immer glücklich und sagst: „Gut, dass das Hasenmädchen nicht da ist, sonst würd die ja auch ein Schoklädle wollen!“ Mitte Januar waren wir zusammen im Theater und das war nach einigen eher schwierigen Theater- und Konzerterfahrungen wirklich sehr schön. Dein großes Problem sind halt nach wie vor laute „Knallgeräusche“, deine Angst vor Luftballons ist wirklich enorm groß mittlerweile. Wir versuchen darauf ja einzugehen, aber irgendwann wirst du damit leben müssen, dass Luftballons zum Leben (und zu Partys) dazugehören. Ich glaube fest daran, dass du das schaffen wirst!

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Große Vorfreude hast du auf unser neues Haus, auch wenn es wirklich noch eine ganze Weile dauern wird, bis wir da einziehen können. Ich freue mich auch vor allem für dich, dass du dann dein ganz eigenes Zimmer haben wirst. Wobei, bis dahin ist das Hasenmädchen hoffentlich auch etwas „vernünftiger“ geworden und zerstört dir nicht all deine Bauwerke.

Ich bin trotzdem unglaublich froh, dass es deine kleine Schwester für dich gibt. Sie ergänzt dich, sie fordert dich heraus und sie setzt deiner ruhigen und sensiblen Art die nötige Portion Chaos und Blödsinn entgegen. Das brauchst du, immer wieder, denn, das weiß ich, die Welt ist für Menschen wie dich oft ein ziemlich lauter und überfordernder Ort. Aber in dieser Welt wirst du leben müssen. In der Schule wird es dann losgehen… Wir sind gespannt, aber geben dir mit Freude noch die 1 ½ Jahre Zeit, um dich zu entwickeln. In all deinen Rückzugsräumen und in aller Ruhe.

Deine Mama

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